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20. August 2026 · Aus der Werkstatt · 4 Min. Lesezeit

Warum Grado? Notizen zum Schauplatz von „Das Video“

Es gibt Orte, die scheinen für Kriminalromane erfunden worden zu sein. Grado gehört dazu: eine Inselstadt in der Adria, umgeben von einer Lagune, die bei Ebbe ihre Geheimnisse preisgibt und bei Flut wieder unter sich begräbt. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal dort stand, war mir klar — hier beginnt dein erster Roman.

Die Lagune ist mehr als Kulisse. Sie ist ein Prinzip: Nichts bleibt verborgen, aber es liegt nicht immer offen zutage. Genau das wollte ich für „Das Video“ — ein Fall, der harmlos beginnt und sich mit jeder Spur tiefer in den Schlamm gräbt.

Dazu kommt der Kontrast: Claudio Brenner, ein Kölner Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, der eigentlich nur seine Ruhe sucht, trifft auf eine Welt, die ihn nicht in Ruhe lassen will. Alte Geschichten, die ihn einholen und Menschen, die sich mit der Zeit verändert haben. Der Fremde im idyllischen Badeort ist dabei ein klassisches Motiv — er ist dort zuhause und ist es doch nicht.

Und schließlich: die Nähe zu Mitteleuropa. Ein deutscher Politiker, ein Verbrechen in Italien, Verbindungen nach Berlin, Köln und Venedig — Grado verbindet diese Orte und ist genau die Schnittstelle, an der lokale Tragödie und internationale Politik aufeinanderprallen. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.

Christian Becker

Autor von „Das Video — Claudio Brenner ermittelt privat“ (Impian Verlag)